"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

13 | 12 | 2017
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Dasselbe zerfällt in drei Theile: in den Markt, dan in Aigen und Wieden-Gaunersdorf.

Aigen wurde vom Schottenabte Mauritius, laut Kaufbriefes vom 25. Mai 1328, um sechs und siebzig Mark Silber von den Hutstachen (einer reichen Bürger-Familie in Wien) erkauft: zählt gegenwärtig 66 Häuser und 350 Einwohner.

Der Markt, durch den Weidenbach von Aigen getrennt, vorher dem k.k. Vicedom-Amte gehörig, im Jahre 1440 an Christof Lichtenstein als Pfandschilling überlassen, sagte die 1749 angesuchte Loskaufung von der Herschaft, aus Zahlungsunfähigkeit, wieder anheim, und wurde bis 1762 vom Vicedom-Amte verwaltet, in welchem Jahre derselbe vom Grafen Perlas um 32.000 fl. erkauft und mit Paasdorf vereiniget ward. Durch das Aussterben dieser Familie im Jahre 1816 kam der Markt an die Gräfin Harsch und von dieser im Jahre 1847 unter Abt Sigismund I. an das Stift in Wien verkauft. Er zählt gegenwärtig 130 Häuser und über 700 Einwohner. Den ganzen Zehent hat vor dem Jahre 1848 das Stift Schotten bezogen.

Den dritten Theil von Gaunersdorf, westlich gelegen, viel jünger als die beiden Ersteren, bildete sich durch Ansiedlungen, die deshalb diesem Theile den Nahmen Wieden = (Neu) Gaunersdorf gegeben haben;) zählet gegenwärtig 36 Häuser und bei zweihundert Einwohner, war vor dem Jahre 1848 der Pfarre ganz unterthänig. In diesem Theile liegen Kirche, Pfar- und Schull-Haus.


Am 26. August 1278 fiel Ottokar der Böhmer König in der Schlacht im March-Felde, und am 6. Juni 1280 erhielten die Schotten von Rudolf den I. die Pfarre und Herrschaft zu Gaunersdorf, an der Stelle des bisher bezogenen fürstlichen Küchenzehentes, und gegen Abtretung der Heil. Kreuz-Kapelle zu Tulln, wohin der Kaiser, einem in der Schlacht wider Ottokar gemachten Gelübde zufolge, ein Nonnenkloster aus dem Prediger-Orden stiftete.

Der erste zu Gaunersdorf bekannte Pfarrer bei der von Rudolf dem I. an die Schotten gemachten Übergabe: Chunrad Rector ecclesie Gaunerstorfensis, ein Weltpriester, resignierte 1281. – Auf ihn folgten drei Weltpriester.

Als erster Pfarrer aus dem Stifte Schotten erscheint Mathias Vink 1461. Die Reihe wurde jedoch zur Zeit der Reformation durch Lutherische Pastoren unterbrochen.
Denkbuch der Schotten in Wien.

 

 

 Beschreibung und Schicksale des Marktes Gaunersdorf aus lauter glaubwürdigen Schriftstellern und alten Urkunden, 

Grabsteinen, derselben Aufschriften und alter Urwarheiten gezeigen ihre einstimmige Aussage denkwürdiger Begebenheiten
über das Alterthum des Marktes Gaunersdorf.  Seine Geschichte ist voller Merkwürdigkeiten. – Ich habe zwar die Kentniß nicht,
von dessen Anfang oder Erbauung zu schreiben – sondern will nur den Wießbegirigen das mit vieler Mühe gesammelte mittheilen.

So viel ist aber gewiß und zeigt die Handfeste Ertz-Herzog Rudolf des 4ten welches weiter unten auch bei Ertz-Herzog Albert wörtlich zu lesen ist
das nemlich Gaunersdorf vor 440 Jahren in großem Flor und Ansehen weit u. breit berümt war und mit so großen  Merkwirdige
Freiheiten von den Landesfürsten begabt gewesen, das sich bei unserer Zeit große Städte solcher großen Gnaden  Freiheiten und Rechte nicht rümmen konnten.

Gaunersdorf hat durch Krieg, Feuer und Pest vieles gelieten, von der Pest haben wir noch drei Friedhöfe aufzuweisen.
Der erste ist zwischen der Wieden Gaunersdorf und den Markter Kleinhäuseln. Auf diesen Platze sind viele Menschen zur Pestzeit
begraben worden und stehet zur dessen Errinnerung ein Kreuz auf diesem Platze.

Der zweite ist außer dem Markt rechts gegen den emaligen Gemeinde Ziegelofen zu, wo sich ein großer Platz befindet wo auch sehr viele Menschen begraben liegen.
Da mann schon bei Grabung ganze Todten-Gerippe gefunden hat auf diesen Platze, steht zur Errinnerung eine gemauerte Säule.  Auch befinden sich jetzt einige Scheunen dort.

Der dritte ist in Aigen-Gaunersdorf hinter dem Gasthaus, wo zu dessen Errinnerung ein holzenes Kreuz stehet. Das hat sich erstlich vor wenig Jahren bestättiget da mann bei Grabung
eines Kellers auf mehre Todten Körper und bei solchen auch etwas Geld gefunden – wann und in welchen Jahre diese betrübten Sterbfälle waren, das kann ich aus Abgang der
gehörigen Urkunden nicht bestimmen doch bin ich der Meinung, das die Pest vor mer als 400 Jahren  drei besondere Mahle gewesen sei, wo mann jedesmal die an der Pest verstorbenen
Menschen an einen anderen Ort legen mußte. –

Das vor Zeiten die Pfarkirche auf den Platz, wo jetzt das große Steinerne Kreuz vor den Pfargebäuden stehet, gestanden ist, da sind die einerlei Aussagen. Doch das Jahr und das Ausfirliche
von dieser Kirche ist dermalen nicht mehr bekannt. Doch sind noch einige alte Leute bei Leben, die aussagen, das ihre Großeltern bei Abbrechung des alten Kirchengemäuers Augenzeuge gewesen seien.

Dan sagen die Alten, das sie von ihren Großeltern haben Sagen gehört, das auf dem Platze wo unsere jetzige Pfarkirche steht, vor dieser ein Landesfürstlicher Kasten oder Magazin gestanden sei. 
Und neben den sei ein sehr fester starker Thurm oder Gefängniß gestanden und es seien nemlich bei der ersten Belagerung von Wien in diesen Thurme viele gefangene Türken gehalten worden.

Diesen großen Gefängniß habe sich der Markt Gaunersdorf für alle Verbrecher und Bösewichter gebraucht.

Dann sagen die Alten, Gaunersdorf sei von alter Zeit eine Stadt und Festung gewesen, welches letztere, das es eine Stadt gewesen sein soll, wird durch den Schriftsteller Johann  Hübner,
der in seinen Lexikon 1780 bereits die ganze Erde beschreibt und Gaunersdorf auch unter der Reihe der kleinen Städte zu finden ist nemlich:

Kaunersdorf, kleine Stadt in Nieder-Österreich 4 Meilen von Wien gegen Mähren zu.

Ein Beweis ist auch dieser, das Gaunersdorf eine Stadt und Festung gewesen sei, nemlich ein 3 oder 400 Jahr altes Altar Blatt welches in der Pfarkirche zu Gaunersdorf
in der Sacristei aufbewahrt  und der Rospeckt des alten Gaunersdorf darauf zu sehen ist und wird hier eine Acurathe Abbildung mit  Ziffrirung beigelegt.

Der alte Gottesacker, an den Höbersbrunner Tieffwege von Gaunersdorf rechter Hand, mann hieß auch diesen Weeg den Todtenweeg, wo dermal das Weingebirg anfanget, da hat mann das
Gebirg vor Zeiten den Gottesacker geheißen und hatten die Alten einstimmig erzället, das vor Zeiten der Friedhof dort gewesen sei, mann hat auch immer sich dieser Wahrheit gezeigt, weil man Todtengebeine
bei allen Gelegenheiten hervor gegraben hat. Erst vor wenig Jahren hat es sich  wieder bestättiget, da man bei der grabung eines neuen Kellers viele Todtengebeine,
manchmal ganze Körper, ja sogar Särge in denen noch die Leichname liegend, hervorgebracht worden.

In den Topographischen Post Lexikon  herausgegeben von Christian Crusius  anno 1799 für die k.k. Erblanden wo alle Ortschaften benennet und

Gaunersdorf  von alters Gamersdorf genandt unter der Ens V.U.M.B. Nieder Österreich.
Ein zur Herrschaft Paasdorf gehöriger Markt besonderes Gut und Landgericht mit einer eigenen Pfar und einen Postamte an der Brünnerstraße zwischen Wolkersdorf und Poisdorf Poststationen.

Gaunersdorf Aigen oder Aigen Gaunersdorf  in  Österreich unter der Ens V.U.M.B.
ein Dorf dem Stifte oder Stift Herrschaft Schotten in Wien mit einer Mühle, die Geschirr Mühle genannt gehörig, an der Poststraße von Wien und Brünn zu dem Markte Gaunersdorf
und den Dorfe Kollenbrunn. Der Gaunersbach fließt durch oben gemeldetes Dorf und treibt die gleich benannte Mühle 18.16. St: von Gaunersdorf.

Gaunersdorf Wieden in Österreich unter der Ens V.U.M.B. 
ein kleines zur Stiftherschaft Schotten in Wien gehöriges Dörflein mit einer Pfar und Mühle am vorbeifließenden Gaunersbache,  den man gewöhnlich den Weidenbach nennt.
Dieses Dörflein hat eine enge Verbindung mit dem Markt Gaunerdorf, ist nur durch einen Fahrtweg, jetzt seit dem Jahre 1866 zur Landesstraße neu angelegt, getrennt.
Dan breitet sich selbes Dörflein gegen Pellendorf aus. I (i0CC.)

Gaunersdorf.

 

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