"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

23 | 10 | 2017
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 Anno 1713

Starben in Wien an der Pest vom Jänner bis Feb. 1714  8644 Personen.
In Gaunersdorf vom 13. August 1713 bis 20. November desselben Jahres 16 Personen.

Im selben Jahre hat ein Fleischhauerknecht die Pest an seinem Leib von Wien nach Gaunersdorf gebracht und das
Haus Nr. 36 wo er einkehrte, angesteckt.

Er starb und nach seiner die sämtlichen Hausleute an der Pest; diese Personen sind außer dem Markt zwischen der
Kaiserstraße und den Ziegelhütten bei dem gemauerten Kreuz begraben.

Item das Haus Nr. 3 ist auch von der Pest angesteckt worden und sind sämtliche Hausleute bis auf einen kleinen Buben an der Pest gestorben.
Merkwürdig war es, dass 2 Buben länger als die übrigen Hausleute lebten.

Der ältere Bube hat dem jüngeren in währender Krankheit einen Stoß auf einen Pest Tipel gegeben und solcher ist fließend geworden und hat sich die Pestkrankheit an seinem Leibe zu bessern angefangen, ist wieder frisch und gesund geworden, daß er ein recht alter Mann geworden ist; sein Bruder aber der ist gestorben.

Nicht minder merkwürdig machte sich ein Bürger im Markte Gaunersdorf namens Trinkler, Haus No. 5  durch ein altes
Hausmittel von der an seinem Leib habenden Pest wieder frei.

Trinkler führte zur Zeit der Pest Wein zu seinem bekannten Wirte. Die Wirtin lag an der Pest krank und Trinkler bekam die Pest durch das Anschauen der Wirtin.
Er verspürte das Pestübel im Nachhausefahren an seinem ganzen Körper. Da faßte er den Entschluß, sein Hausmittel zu gebrauchen.
Wie er nach Haus kam, nahm er Hauen und Schaufel und ging rückwärts seines Hauses an den Wachtberg und grub sich ein tiefes Loch,
daß er sich wohl verbergen konnte, da entdeckte er seinen Hausgenossen seine an ihm habende Pest und begehrte die im Monat May
durch ihn aufgespießten Kroten, diese aufbewahrten Kröten band er sich auf die Pestbeilen, welche das ganze Gift an sich zogen.
Die von ihm gedörrten Kröten wurden so dick und voll, als ob sie bey Leben wären und Trinkler wurde besser und gesund und lebte noch viele Jahre,
ohne dass seine Hausleute oder andere Menschen durch ihn sind angesteckt worden.

Anbey hat Mann in Gaunersdorf alle erdenkliche Vorsicht gebraucht, der Pest Abbruch zu tun; es wurden Tag und Nacht die Häuser mit
Kranawet und Kranawetenholz geraucht. Den Bewohnern Gaunersdorfs war aufs strengste verboten, auf andere Orte zu gehen,
die Kaiserstraße und alle Zugänge waren gesperrt und waren Wachter aufgestellt und wenn aus der Nachbarschaft jemand ankomme,
etwas Unentbehrliches von den allhiesigen Handelsleuten zu kaufen, so mussten solche das Geld in eine Schüssel voll Wasser legen und sodann wurde von den Gaunersdorfer Bürgern diesen Partheien das anverlangte geholt und diesen überreicht.

Bei großer Pestgefahr, da schon einige Häuser an der Pest ausgestorben und das Übel allen Bewohnern Gaunersdorfs vor Augen stund,
da hat man zu Gott gelobt, zu der allerseligsten Jungfrau Maria, zu den Pestpatronen Rochus, Rosalia und Sebastian die Zuflucht genommen,
und versprochen, alle Jahre am Tage des hl. Sebastian ein sollenes Prozession, wobei das hochwürdige Gut mitgetragen und vier Evangelien
abzusingen, beschlossen. Und ist wirklich dieses Jahr und nach diesem allzeit diese Prozession an dem nämlichen Tag mit großer Andacht im
Markt Gaunersdorf gehalten worden, wobei nicht nur die zahlreiche Pfarrgemeinde, sondern viele benachbarte Gemeinden sich einfanden.
Hauptsächlich die Pfarre Großschweinbarth kam allzeit mit der Prozession, geführt durch ihren Seelsorger und brachten alljährlich zu Ehren
des heil. Sebastian eine große Wachskerze, die im Werte 15 fl ausmachte, zu einem Opfer, und ist solche Kerze beim Altar des heil. Sebastian
aufgesteckt worden und ist bey dem Gottesdienst durch das ganze Jahr angezündet worden.

 

Anno 1716

Nach überstandener Pestgefahr stieg Eifer und Frömmigkeit, dass die Pfarrkinder zu Gott gelobten, alle Jahre zu Ehren der Mutter Gottes und zu
Ehren der heil. Pestpatrone, eine Prozession auf Groß-Maria Zell zu verrichten und wurde der 2te Tag nach Bartholomäus, der 26. August festgesetzt.

Diese Prozession wurde allzeit durch einen Pfarrgeistlichen geführt, welcher bei dem Abzug von Gaunersdorf bei dem Fronauer Kreuz das Volk
zu dieser vorzunehmenden Andacht mit einer Predigt aneiferte und sodann bei der Zurückreise  bei diesem Kreuz auch wiederum die Opferungsrede hielt.
Für den Geistlichen wurde von Seite des Marktes zu dessen Fortkommen eine Kalleß mitgeführt, auch die Bruderschaft zierte diese Prozession.
Es wurde auch ein Wagen für die Bruderschaft und die Prozessionsgerätschaften mitgeführt; auch war dieser Wagen bestimmt, die Ermüdeten
oder Kranken mitzuführen. Diese Prozession war alle Jahre recht volkreich; erstlich durch die zahlreichen Pfarrkinder, zweitens weil bei dieser Prozession
eifrig gebetet und gesungen wurde und die schönste Ordnung beobachtet wurde, als haben sich sehr viele Menschen aus der Nachbarschaft dann zugesellt
und sind manchesmal bis 500 auch bis 800 Personen diesen weiten Weg gereiset.

 

Anno 1715

ist die Statue des heil. Benediktus errichtet worden und mit nachstehender Aufschrift geziert:

Archistratego. Benediktin horum. Ex Venerationes Ita

auf Kosten des Herrn Johann Lettner k.k. Postmeister in Gaunersdorf.

Degenhart

Anno 1717

ist durch Herrn Johann Lettner, k.k. Postmeister in Gaunersdorf die Sterbeglocke angeschafft worden, hat dafür bezahlt 60 fl; und mit nachstehender Aufschrift geziert:

„1717 goss mich Franz Zehtner in Wien“

Dann ist zu sehen die h.h. Gregorius, Rochus, Sebastian und Rosalia; auf dem anderen Teil der Name des Stifters: „Johann Lettner, k.k. Postmeister in Gaunersdorf“.

Anno 1717

Ist das ehemalige Gaunersdorfer Gericht am Mistelbacher Weg auf dem Steinheidel an der Schricker Grenze,
bekanntlich ein zweifacher hölzerner Galgen, zerfallen und nicht mehr errichtet worden, auf welchen Platze die sich selbst Endleibten
Personen vor und nach der Zeit sind verscharrt worden.

 

Anno 1718

hat Herr Johannes Lettner, k.k. Postmeister und kaiserl. Marktrichter in Gaunersdorf, zur Ehre Gottes und zur Zierde unserer Pfarrkirche den
herrlich und kostbaren von lauter Marmorstein erbauten Hochaltar auf seine Kosten errichten lassen und mit dieser Aufschrift geziert:

D. - O. - M.

B: M: V:  ACS. GEOIRGIO. HANGARAMEREXIT

Joanes Lettner Anno 1718.

Dann hat er das Oratorium und die Todten Gruften auf seine Rechnung bauen lassen, item den Apostelleuchter nebst anderen Kirchenzierden erfertigen lassen.

Dann das Weiße Kreuz oder den von lauter Steinmetzarbeit künstlich gehauenen Calfaryberg, Christus am Kreuze, die Muttergottes, 
Maria Magdalena, den heil. Johannes, die Figuren lebendig groß samt dem ganzen Geländer von Stein 
gehauen,
durch Herrn Oxner in Mistelbach auf das allerkünstlichste hergestellt.
Die gesamten Kosten beliefen sich über 700 fl.

Auf dem Platze, wo dieser Kalvarienberg steht, ist vor alter Zeit die Pfarrkirche gestanden, das sagen die alten Menschen, daß sie solches von
ihren Groß- und Urgroßeltern haben einhellig erzählen hören.

Anmerkung: Bei Legung des Grundsteines sagt Andreas Kainz sei er Augenzeuge gewesen, daß der Stifter Herr Joh.Lettner eine ganze Hand voll Dukaten in einen
ausgehauenen sehr großen Stein gelegt hat, welcher sodann verschlossen und der Kreuzesstamm auf diesen Stein gestellt worden sei; diese Aussage ist gegeben worden 1803. 
(später dazugefügt „durch Martin Merk.“)


Anno 1718

sind durch nachstehende Guttäter zur Auszierung unserer Pfarrkirche die vier Erzengel erfertiget worden, und mit folgenden  Aufschriften gezieret.

S: ARCH = MICHAEL. F.F.   Michael Kling 1718.

S: ARCH = GABRIEL. F.F.   Joannes Marx 1718.

S: ARCH = RAPHAEL. F.F.  Thomas Ruep 1718.

S: ANG   = CUSTS. F.F.       Michael Kling  1718.

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