"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

13 | 12 | 2017
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Anno 1719

sind die Rats Stand in der Kirche von einem ehrsamen Rat aus ihren Mitteln bezahlt worden.
Ist alsdann beschlossen worden, so oft einer in die Ratsstühl kommt, so soll er zu bezahlen derw. zu schuldig Po: 4 fl. denen Ratsverwandten.

Gemeinde Protokoll, folio 2.

Anno 1719


 sind zur Auszierung der Pfarrkirche zu Gaunersdorf die sechs großen Bilder der Heiligen durch lauter Pfarrkinder ihre Freigebigkeit
gemacht worden, als nämlich der Heil. Johannes Nepomuk, der hl. Karolus Borromäus, der heil. Odilo, der heil. Plazidus, der heil. Mauro und der heil. Burkhartus.

Nicht minder sind sämtliche Kirchentüren durch lauter Pfarrkinder mit allem Zugehör hergestellet worden.

Degenhart

Anno 1719

hat der Markt Rath zu Gaunersdorf für sich die schönen Betstühle auf ihre eigene Rechnung in der Pfarrkirche machen lassen.
Dem Tischler, Bildhauer, Vergolder und Schlosser für ihre Arbeit bar bezahlt 400 fl.

Alles zur Ehre Gottes und Zierde der Pfarrkirche.

 

Anno 1719

den 18. März ist im Beisein des Herrn Marktrichters Johann Lettner und eines ehrsamen Rates samt der ganzen Bürgerschaft,
wie auch der Frau Sabina Wendlerin, als dermalige Besitzerin der Mühl dahin verglichen worden, daß die sogenannte Stierwiese
neben der Fischgasse, sollte ewig bei der Mühle bleiben, mit deß Geding, daß allda auch ewig bei der Mühl der Gemein Stier sollte
ohne Bezahlung ausgehalten werden; zu dessen Unwiderruflichkeit wird solches hier protocoliret.

Sollte wider alles Verhoffen der Gemein Stier nicht wohl gehalten werden, so hat eine ehrsame Bürgerschaft die gemeldete Wiese wiederum zurückzunehmen.

Fol. 13 Gemein protocol.

Höchst notwendige Anmerkung was sich nach einigen Jahren wegen dem Gemein Stier zugetragen. Josef Winkler, Müllermeister, wußte,
daß der Heu- und Grumet Genuß von der Stier Wiese ihm zustünde, aber er ließ dem Gemein Stier das benötigte Futter nicht geben,
so daß dieser ein schlechtes Aussehen bekam. Die Gemeinde wollte also diese Wiese einem anderen Bürger geben, gegen der
Bedingnis dem Gemein Stier seine Nahrung wie es sich geziemt erhalten soll.

Aber Josef Winkler führte mit der Gemeinde einen langwierigen Prozeß. Die Gemeinde hat bis 5.000 fl verprozessiert und endlich hat
sich Josef Winkler eingelassen an den Stier seine Notdurft reichen zu lassen und selben besser zu pflegen und auf die Erklärung hat 
die Gemeinde dem Josef Winkler die Wiese und den Stier wieder gelassen. Und nach einigen Jahren beging die Gemeinde die Torheit
den Josef Winkler zum Markt Richter zu machen, einen Mann welcher der Gemeinde so viel Verdruß und Schaden zugefügt hatte.
Nach dessen Tod sind so dann alle Akten und Schriften durch den Marktschreiber und Martin Merk  untersucht worden, da hat sich von
dem langwierigen geführten Stier-Prozeß keine Silbe mehr vorgefunden, so daß die Marktgemeinde heut oder morgen bei ähnlichem Fall
nicht einen Buchstaben aufzuweisen hat, und wird gezwungen sein einen neuen Prozeß abzuführen. 

Aber liebe Gaunersdorfer, warum habt ihr einen solchen Mann, welcher euch so viel Schaden und Verdruß gemacht, zum Marktrichter gemacht?
Oder warum hat man die abgeführten Prozeßakten nicht in die Gemeindekassa gelegt? Ihr habt ihm die günstige Gelegenheit gegeben, alles zu beseitigen,
was ihn dünkte hinderlich zu sein.

Nicht minder hat er das Bannbuch auch aus der Welt geschafft, welches aber wieder zu erheben wäre, wie und wo,
das habe ich an einem andern Orte des Buches schon angezeigt.

 

Anno 1719
hat Matthias Stöger die Statue des hl. Johann von Nepomuk auf seine Kosten zur Zierde der Pfarrkirche machen lassen; und mit nachstehender Aufschrift gezieret:

Posui Orimeo Custo

Diam cum

Peccator Consiteret Adversu

M.E.P.S.38

Durch meine Verschwiegenheit wollte ich den Sünder bekehren.


Anno 1720

Dannach der wohledle Herr Johann Lettner, k.k. Postmeister in Gaunersdorf aus sonderlicher Devotion der löbl. Pfarrkirche und Gotteshaus zu Gaunersdorf
unter heutigem Datum eine Summe Geld, benanntlich eintausend zweihundert Gulden bar dargezahlet, unwiderruflich gegeben gewidmet und eingehändigt,
also und dergestalten, daß selbes mit diesem Kapital den 1200 fl, nutzen schaffen und nach Belieben handeln und wandeln und gleich anderem wahren
Eigentum jederzeit disponieren könne und möge. Hingegen obligiert und verbindet sich

Obgedacht löbl. Gottes und Pfarrkirche durch dero dermalen Verordneten respektive Herrn Vorsteher mit Begebung aller von Menschen Sinn erdenklichen
exceptionen absonderlich auf erhaltenen Consens und Einwilligung des hochwürdigen in Gott wohl edel gebornen und hochgeehrten Herrn Carolli Abbtens
zu den Schotten in Wien und zu Töelk in Hungarn, als Patroni ecclesia von ihm Herrn Lettner fordere, erstlichen alle Wochen ein heil. Messopfer; item ohne
diesen wöchentlichen auch alle Monat ein heil. Mess lesen, nicht weniger alle Quartal ein gesungenes Ambt, dann jährlich noch einen Jahrestag gebräuchlich
halten zu lassen, und sollte von ein jeder Mess dem verordneten Pfarrer Vikario ein halber Gulden, von einem gesungenen Amt und Jahrtag aber ein Gulden,
und dem Schulmeister 30 kr. dessentwegen unausständig bezahlt und entrichtet werden; aller übrige von diesem gestifteten Capital zu 1200 fl etwa schaffende
Nutzen wohlermelten löbl Gotteshaus in perpetuum allein eigentümlich zugehörig sei und verbleiben alles getreulich und ohne Gefährdung dessen; zu wahrer
Urkund sei dieses Instrument  respektive Stiftsbrief in drei gleichlautenden Exemplaren aufgerichtet, von hochgedacht ihro Gnaden Herrn Abten zu den Schotten
zur Bezeugung des hiezu erteilten Consens eigenhändig unterschrieben, sodann sowohl vor dem dermaligen verordneten Herrn Pfarrer Vikario als auch
denen bestellten Kirchenvätern gefertigt und hievon ein Exemplar gedachten Herrn Lettner eingehändigt worden.

So geschehen Gaunersdorf den 15. Jänner 1720.

Carolus Abt zu den Schotten            Johann Lettner, k.k. Postmeister

P. Blazidus Kleemann, Pfarrer          und Marktrichter

Simon Naymayer, Kirchenvater          Christian Trinkler, Kirchenvater

Vorstehender Stiftsbrief ist dem Original gleichlautend abgeschrieben worden.

 

Anno 1721

hat der Herr Marktrichter Johann Lettner für die Gemeinde 12 lederne Feuer Amper erkauft und 6 Feuerspritzen,
welche in seinem Haus alle Tage zu finden sind. Sind ihm auch gleich richtig bezahlt worden.

 

Anno 1722

den 1. Jänner hat eine ehrsame Bürgerschaft dem Michael Kling aus einer gewissen Ursache den Salzhandel gelassen,
für das Jahr 15 fl, mit dem Geding, so lange es der ehrsamen Bürgerschaft beliebt, oder dem Michl Kling frei, aufzukünden.

Gemeinde Protokoll folio 7

Dieser Salzbestand (Pachtgebühr) ist laut Protocoll durch 15 Jahre an die Gemeinde richtig bezahlt worden.


Anno 1722

den 23. Jänner hat eine hochlöbl. NÖ. Regierung an beide Landgerichte Wolkersdorf und Gaunersdorf den Befehl erteilt,
daß zur Sicherheit der Reisenden auf der Hochleiten ein Wachthaus auf 40 Mann und  so viel Pferde herzustellen sei,
welches sodann auch geschehen und haben sich die gesamten Auslagen auf 1949 fl und 23 Kr. erstreckt, wozu der Markt Gaunersdorf gezahlt
hat laut Quittung in dem Markt-Archiv 640 fl 57 Kr.


Anno 1723

sind die Altäre, zuerst der Altar des hl. Benediktus, dann der Altar des hl. Sebastian durch Freigebigkeit lauter Guttäter in unserer
Pfarrkirche gebaut worden und mit nachstehenden Aufschriften geziert:

Sanctus                                                    Dive.= Sebatiane

Benedictus Patronus                                                         

Agonizantium                                          Pestieeror vm.= Patrones

                                                                     VCCVRRE                                                     

Heiliger Benediktus, ein                               Heiliger Sebastian

Patron der Sterbenden                                ein Patron wider die Pest



Anno 1723

erlitt Gaunersdorf einen sehr harten Stoß, da nämlich mitten im Markte eine Feuersbrunst entstand, welche in Zeit von 2 Stunden
den dritten Teil von dem Markte zu Aschenhäusern machte; es ist also von No. 1 bis an die Gasse zu der Marktmühle alles in Rauch aufgegangen.


Anno 1724

Edelhofer, ein Bürger, Haus No. 2 im Markte Gaunersdorf, dieser hat 3 Kinder allein zu Haus gelassen, die Kinder stiegen in die
offene Mehltruhe und spielten,
da fiel ungefähr der Mehltruhendeckel zu und die Kinder erstickten alle im Mehl.

Anno 1725

wurde der hl. Johannes auf dem Platze, wo dermal der hl. Benediktus steht, weggenommen und in Aigen Gaunersdorf an
dem Weidenbache auf ein neues Postament gesetzt und renoviert. Auf dem Postament ist folgende Aufschrift zu lesen:

DIVO

Joanni  Nepomuceno Perpetuo

honoris Conservatori

 Zu Ehren des Hl. Johann von Nepomuk, ein Beschützer vor Schand und Spott.


Anno 1727

wurde für die Pfarre Gaunersdorf zu der Sebastiany  Bruderschaft auch die Christenlehrbruderschaft beigefügt, unter dem Namen vereinigte
Sankt Sebastiany und Christenlehrbruderschaft  unter dem Schutz und Titel des heil. Sebastianus und der hl. Anna.

 

Anno 1730

war der Hornviehumfall im Markt Gaunersdorf. Das Vieh bekam zuerst geschwollene Augen, sodann hörte der Magen auf zu verdauen und war
auch kein Mittel solches zu retten. Es ging alles zu Grunde bis auf 5 Stück und das geschah in Zeit von 5 Wochen.
Sodann hat die bedrängte Marktgemeinde ihre Zuflucht zu Gott und die Fürbitte des hl. Leonhard genommen und feierlich gelobt und versprochen,
alle Jahre am Tage Leonhard ein solenes Hochamt halten zu lassen, welches alle Jahr bis auf den heitigen Tag und so lang als der  Markt Gaunersdorf wird stehen,
gehalten werden wird. Bei dieser Feierlichkeit versammeln sich die Pfarrkinder allzeit zahlreich, wohlwissend, was großen Schaden ihre Voreltern gelitten haben.

 

 

 

 

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