"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

23 | 10 | 2017
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Anno 1645

Bei fortdauernden schwedischen Krieg kam ein großer Teil der schwedischen Armee auf Gaunersdorf und die benachbarten Dörfer und
rückte dieser fürchterliche Feind bis an die Vor­städte Wiens vor; ein anderer feindlicher Schwarm eroberte die Stadt Korneubung und
das feste Schloß Kreuzenstein und die Stadt Krems.

Das Elend des gesamten  Volkes und Vaterlandes lässt sich kaum beschrei­ben.
Gaunersdorf hat  bei diesem Krieg alles erdenkliche Elend und Beschwerden erdulden müssen; sehr viele Menschen haben sich geflüchtet,
der größere Teil hat sich aus Furcht in die Erdställe verborgen. 
Die Leute, welche dem Feind in die Hände gerieten, die wurden ausgezogen und erbärmlich geschlagen, dann die meisten zu Tode gemartert.
Das flüch­tig gewordene Volk, welches da und dort dem Feind in die Hand fiel, wurde ohne Gnade niedergesäbelt. 
Sehr viele Menschen sind  in den Erdställen von dem Feind mit allerhand stinkendem Rauch erstickt worden.
Dann viele tausend Menschen sind unter der Erde aus Kummer und Hunger gestorben.                                                                                                           
Dieses erbärmliche Un­wesen dauerte durch ganze fünf Jahre. Bisweilen zog sich der Feind zurück; da kamen wieder kaiserliche Soldaten
und forderten gutes Quartier und mehr als die verarmten Bürger zu geben imstande waren;
bei diesen Umständen blieben die meisten Ackerfelder aus Abgang der Pferde und des Samens ungebaut, auch aus Furcht vor dem herumstreifenden Feinde, 
auf den Feldern niedergehauen zu werden, wie
es leider 1647 vielem Bürgern und 
Insassen mit ihrem Leben be­zahlen mußten. 
Da ist es vorzüglich geschehen, daß bis 50 Personen von dem Feind unvermutet überfallen, umrungen, zusammengetrieben und elendiglich niedergehauen wurden.

Das ist geschehen ausser dem Markt Gaunersdorf,  wo sich der Fahrweg auf Mistelbach und Höbersbrunn teilt. Also hat man bei dieser traurigen Begebnis die toten
Leiber bei der Nacht und großer Gefahr gleich in eine Grube auf diesem Platz eingegraben.
Dann ist zu dessen Gedächtnis ein Kreuz auf das mit Menschenblut gefärbte Erdreich gesetzt worden und steht bis heutzutage auf diesem Platz ein gemau­ertes Kreuz anno 1645.

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   Denkmal der gefallenen Gaunersdorfer Bürger durch die Schweden 1647. Diese Säule ist durch mich Ed. Lehrl im Jahre 1869 nach der Natur gezeichnet worden. 
Und derzeit mit folgender Aufschrift geziert, O Herr sei uns Sündern gnädig und barmherzig. Heil. Jungfrau Maria bitt für uns in unserer letzten Todesstunde. Amen!  M.W. – 1818.
 

Anmerkung: Dieses genannte Kreuz zur Erinnerung für die gefallenen Gaunersdorfer Bürger durch den schwedischen Feind ist in der Nachzeit verfallen. Ist aber jedoch wieder von einem k.k.Oberbäcker des damals nahe gelegenen k.k. Militär-Verpflegs-Magazins mit dem Namen M.W. ein hölzernes Kreuz aufgestellt worden 1818.
Indem aber selbes im Jahre 1862 von einem Sturmwind geworfen wurde, so ließ im Jahre 1863 die Witwe Ausnehmerin Frau Anger Nr. 48 im Markt Gaunersdorf
dasselbe auf ihre Kosten jetzt abgebildete Kreuz aufstellen.

Anno 1645
ist 
der ganze Markt Gaunersdorf samt Kirche und den beträcht­lichen Vordörfern vom Feind abgebrannt und gänzlich ein­geäschert worden. 
Den großen Schaden, den Gaunersdorf durch viele Plünderungen, Brandschatzungen, Lieferung und Verlust  so vieler hundert Menschen und letztlich
durch die gänzliche Abbrennung und Einäscherung der gesamten Häuser und Wohnungen samt allem Brennholz, alle diese Unglücksfälle brachte Gaunersdorf um ihr voriges großes  Ansehen.  Die Bevölkerung oder Anzahl der Seelen ist  mehr als die Hälfte durch diesen Krieg elendiglich ums Leben gekommen; aus so vielen hundert wohlhabenden Leuten wurden lauter arme Menschen. 
Das Volk war so wenig und arm, dass kaum die Hälfte der abgebrannten Häuser wieder gebaut und bewohnt wurden.

Es ist anzuführen, daß vor dem Krieg die Häuser des Marktes sich bis an die dermalige Schottergrube und jenseits der Wiesen bis an das Ende der Amtswiese erstreckten.

Wieden Gaunersdorf
War auch beträchtlich groß. Die Häuser waren auf beiden Seiten der Wiesen gegen Pellendorf gebaut und erstreckten sich bis an das Pellendorfer Gemark.

Folgende Schrift ist an der Kirchenmühle in Marmorstein zu lesen:

Nach der schwedische BelEgerung Brin in Mähren ist diese Mihl gänzlich in Aschen  gelegt. 
Durch mich Joan MichAel Menzler von Königshoven und Elisabeth geborne
Straserin von ReltzeM  mein Ehewirtin widerum durch die Genade Gotes erbauet
worden den XX. Sptemb  ANNO MDCXLVII

CONCORDIA INSVPERABILIS.

Die Einigkeit der Herzen ist unüberwindlich.

RERVMIRRE CVPERASILI
VMFAELI  XOBLIVIO

Eine glückliche Vergessenheit  ist es, sich der vergangenen Unglücksfälle nicht zu erinnern.


Anno 1645

Item zum immerwährenden Gedächtnis lässt eine ehrsame Marktgemeinde des Marktes Gaunersdorf alle Jahre am Montag nach dem
Schwarzen Sonntag zu Ehren des hl. Florian ein musikalisches Amt halten, weil an diesem Tage der ganze Markt samt Kirche und Pfarrhof,
Aigen und Wieden Gaunersdorf durch die Schweden abgebrannt und eingeäschert worden ist. 

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